Sonntag, 13. Mai 2012
Buchkritik: Giles Blunt, Kalter Mond
Junkies träumen nicht vom nächsten Schuss
Buchkritik: Giles Blunt, Kalter Mond
In Algonquin Bay in Kanada irrt ein rothaariges
Mädchen in einer Bar umher. Sie weiß nicht, wer
sie ist, woher sie kommt und zudem hat sie eine
Kugel im Kopf. Motorrad-Gangs treiben ihr Unwesen
mit Drogengeschäften, bis einer von ihnen stirbt.
Ermordet in einem Waldstück. Ohne Hände, ohne
Kopf und ohne Füße. Es ist Wombat Guthrie, auf
den einige der Viking Riders sehr wütend waren.
In der Nähe des Leichnahms finden sich an einer
Felswand eigentümliche Petroglyphen. Doch bis
sich diese Zeichen aufklären, folgt ein weiterer
Fall für Detective John Cardinal aus der Schatzkiste
des kanadischen Erfolgsautors Giles Blunt. Dieses
Mal analysiert er die sozialen Unmfelder von jungen
Menschen die aus dem Netz der Gesellschaft herausgefallen
sind. Das rothaarige Mädchen heißt Terri Tait, hat
einen Drogen dealenden Bruder namens Kevin und
verschwindet urplötzlich aus dem Krankenhaus. Der
Krimi ist ein Psychogramm von gescheiterten
jungendlichen Existenzen, von kaputten Seelen auf der
verzweifelten Suche nach Halt. Blunt räumt auf mit
dem Vorurteil, dass Junkies immer an den nächsten
Schuss denken. Eher phantasieren sie über den letzten
bis zu ihrem Entzug. Doch auch dem Detective John
Cardinal haucht Giles Blunt ein Leben mit privaten
Problemen ein. Dessen Frau Catherine ist schwer
depressiv, seine Tochter Kelly will nicht mehr mit
ihm reden, seit der Geld im Dienst unterschlagen hat
und sich selbst gestellt hat. Der Rhythmus des Buches
ist eher langsam mit vielen kanadischen Landschafts-
impressionen, Ermittlungen, Abstecher in die Biker-Szene
und zu indianischen Riten. Daneben tischt Giles Blunt gut
recherchiertes Wissen auf in Sachen Hirnforschung,
Forensik und Ballistik.
Ein lesensenswerter und sehr gut komponierter Krimi aus
Kanada.
(c) Corinna S. Heyn
Giles Blunt,
Kalter Mond.
Aus dem Englischen von Eberhard Kreutzer.
Droemer Verlag 2005.
Hardcover
Dienstag, 3. April 2012
Heiß-kalte Spannung mit Giles Blunt "Eismord"
Thriller: Gefährlicher Pelzhandel in Kanada
Giles Blunt überzeugt mit "Eismord" erneut
In Giles Blunt's Thriller "Eismord" kommen viele
Ingredenzien an Brutalitäten und Absonderlichkeiten
vor. Es ist ein buntgemixter Cocktail aus einer Art
Ritualmord an zwei russischen Pelzhändlern im
eisigen Kanada, es gibt entgleiste Jugendliche,
sexuelle Abartigkeiten und spektakuläre Verfolgungsjagden.
Giles Blunt kennt sich in Kanada aus. Der Autor
wurde in North Bay/Ontario geboren und studierte in
Toronto Englische Literatur. 1980 ging er im Alter
von 28 Jahren nach New York, wo er sich mit Gelegenheitsjobs
als Barkeeper, Streetworker und Gerichtsdiener durch
das Leben schug. Dann entdeckte er das Schreiben für
sich. Mit "Gefrorene Seelen" gelang ihm als Autor der
Durchbruch. Er wurde mehrfach ausgezeichnet und gilt
als einer der besten Thrillerautoren Kanadas.
"Eismord" ist sein fünfter Roman um den Detective John
Cardinal. Das Buch beginnt relativ harmlos mit der
18jährigen Sam und dem verheirateten Randall, der als
Immobilienmakler bei seinem Schwiegervater gutes Geld
verdient. Als Orte für die verbotenen Schäferstündchen
wählen die beiden stets leerstehende, zum Verkauf
angebotene Immobilien. Eine mitgebrachte blaue Decke
gehört zu diesem Ritual. Doch bei einem der Rendezvous
hört Sam Schüsse. Sie flüchtet panisch durch ein
Fenster in den Wald und wird verfolgt. Bereits in der
Mitte des Thrillers erfährt der Leser, wer der Mörder
der Russen ist. Doch es bleibt weiter spannend. Denn
dieser Killer ist so ungewöhnlich wie sein noch im
Dunkeln liegendes Motiv. Und er ist noch auf freiem
Fuß. Und die junge Köchin Sam, die zuviel weiß, liegt
im Fokus eines potentiellen Mörders. Giles Blunt weiß
wie Spannung funktioniert. Er schiebt verschiedene
Handlungsstänge zwischen die eigentliche Hauptachse
und verstört mit den Abgründn von psychisch gestörten
Menschen. Ein Highlight an literarischem Genuss in
der Thriller-Szene vor der Kulisse des kanadischen
Winters mit Eiseskälte und heißen Kaminfeuern.
(c) Corinna S. Heyn
Giles Blunt,
Eismord.
Aus dem Englischen von
Anke und Eberhard Kreutzer.
Droemer 2011
www.droemer.de
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